|

Geschichtliche Eckdaten zur
Eisenbahnhubbrücke Karnin
12.
Oktober 1840 – Bau der Bahnlinie Berlin – Stettin
April 1872 – Bau der Bahnlinie Ducherow-Swinemünde wurde
beschlossen
1874 - Bau der Karniner Drehbrücke begann
15.
Mai 1876 – Eröffnung der Bahnlinie Ducherow- Swinemünde
1907 – zweigleisiger Ausbau der Strecke nach Swinemünde
1932 – Umbau der Brücke und Bau der Hubbrücke
15.
September 1933 – Fertigstellung der modernsten
Eisenbahn-Hubbrücke Europas und der einzigen auf der Welt
mit einem Mittellager
29.
April 1945 – Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges - Sprengung
der Karniner Brücke
Am 11.Dezember 1872 erhielt die Berlin-Stettiner Eisenbahn
die preußische Konzession für den Bau der Bahnlinie Ducherow
- Swinemünde. Anfang 1873 begannen bereits die Arbeiten. An
der für den Brückenbau vorgesehenen Stelle - zwischen Kamp
und Karnin - hatte der Peenestrom eine Breite von 500
Metern. Um Kosten zu sparen, engte man die Peene auf 360
Meter durch Aufschüttung von Dämmen ein. Für die damals noch
weitverbreiteten Segelschiffe war eine
Durchfahrtsmöglichkeit in Form einer Drehbrücke vorgesehen.
Dies war zu dieser Zeit, neben der Klappbrücke, die einzige,
technisch machbare Lösung. Da die Schifffahrtsverwaltung
eine Durchfahrtsmöglichkeit in jede Richtung forderte,
wählte man eine zweiarmige Drehbrücke, deren Lager auf einem
Mittelpfeiler ruhten. Der Antrieb des Drehmechanismus
erfolgte noch per Hand. Die Brückenkonstruktion lagerte auf
insgesamt fünf Fundamenten. Sie bestand aus fünf stählernen
Fachwerkbrücken mit gebogenem Obergurt. Die Fundamente
wurden für einen zweigleisigen Betrieb vorbereitet, obwohl
die Bahn zunächst eingleisig gebaut wurde.
In den
Anschlusspfeilern der Drehbrücke und in den landseitig
angebrachten Türmen waren das Personal für Bedienung und
Bewachung untergebracht. An der Festlandseite befanden sich
darüber hinaus Kasematten, die der Unterbringung des
militärischen Personals zur Brückenbewachung dienten.
Im
Dezember 1875 war die gesamte Brücke fertiggestellt. Die
Strecke Ducherow - Swinemünde wurde am 15. Mal 1876
offiziell eingeweiht. Auf eine Eröffnungsfeier wurde von den
Aktionären aus Sparsamkeitsgründen verzichtet. Auf der
Hauptstrecke Ducherow - Swinemünde nahm in der Zeit um die
Jahrhundertwende der Zugverkehr sehr stark zu. Das machte
einen zweigleisigen Ausbau - das Ergänzen des südöstlichen
Gleises - notwendig. Es wurden fünf stählerne
Fachwerkbrücken mit gebogenem Obergurt gewählt. Die
Fachwerkstäbe wurden jedoch wegen der erwarteten, höheren
Belastung völlig anders angeordnet. Die aus dem Jahre 1876
stammenden nordwestlichen Überbauten wurden im Rahmen der
Ausbauarbeiten verstärkt. Für das neue Gleis wurde eine
zweite Drehbrücke gleicher Bauart gebaut, die mit der
bestehenden mechanisch gekoppelt wurde. Beide Drehbrücken
erhielten eine neue Maschinenanlage mit elektrischem
Antrieb.
Der Zugverkehr wurde während der Arbeiten aufrechterhalten.
Der zweigleisige Verkehr wurde schrittweise zwischen
September 1907 und Juli 1908 aufgenommen. In den 30iger
Jahren des vorigen Jahrhunderts genügte die Brücke den
gestiegenen Zugzahlen und schwereren Verkehrslasten nicht
mehr. Aus Sicherheitsgründen durfte die Brücke nur mit 45
km/h befahren werden. Die Deutsche Reichsbahn entschloss
sich daher, die aus dem Jahre 1876 stammenden Überbauten zu
erneuern und die Drehbrücke durch eine fahrstuhlartig
arbeitende Hubbrücke zu ersetzen. Der alte Mittelpfeiler
diente als Auflagefläche für die Fahrbahn, wenn sie durch
einen darüber fahrenden Zug belastet wurde. Diese technische
Lösung gestattete es, die Fahrbahnelemente leichter zu
gestalten und die Verstärkung der Endpfeiler der alten
Drehbrücke zu vermeiden.
Die Überbauten von 1876 sollten nach den damals geltenden
Vorschriften neu entstehen. Im Frühjahr 1932 begannen die
Bauarbeiten zunächst mit dem Abtragen des nordwestlichen
Brückenteils. Über den südöstlichen Brückenteil wurde ein
eingleisiger Betrieb aufrechterhalten. Dieser vorübergehende
Betrieb machte landseitig ein zusätzliches Stellwerk
notwendig. Parallel zum Ersetzen der Drehbrücke durch die
Hubbrücke wurden die aus dem Jahre 1876 stammenden
Überbauten im nordwestlichen Brückenteil abgetragen: Es
wurden Rammgerüste unter der Brücke eingeschlagen, womit die
Brückenfelder abgestützt wurden. Anschließend wurden sie
demontiert und abgefahren. Dann wurden auf diesen
Rammgerüsten die Brückenteile nach dem Prinzip von 1908 (wie
beim südöstlichen Brückenteil) montiert.
Die erste Probefahrt erfolgte am 26. Juni 1933. Bis zur
endgültigen Inbetriebnahme am 15. September 1933 waren der
nordwestliche Teil als Hub- und der südöstliche Teil als
Drehbrücke gleichzeitig vorhanden. Ende Dezember 1933 wurde
der südöstliche Hubbrückenüberbau dem Betrieb übergeben und
der zweigleisige Zugverkehr wieder aufgenommen. Nun war es
möglich, die Brücke zweigleisig mit 100 km/h zu befahren. Am
29. April 1945 wurden die Fundamente und Überbauten der
Karniner Eisenbahnbrücke gesprengt, um der heranrückenden
Roten Armee das Übersetzen auf die Insel Usedom zu
erschweren. Seitdem erinnert nur noch die Ruine der
Hubbrücke an die ehemalige Strecke Ducherow - Swinemünde.

Sicht auf die Eisenbahnhubbrücke von Karnin

Sicht auf die Eisenbahnhubbrücke
von Kamp |